Solidarische Imkerei

Die Grundzüge

Das Konzept entstammt der Solidarischen Landwirtschaft (engl.: community supported agriculture – csa). In der solidarischen Imkerei findet sich eine Gruppe von Menschen (meist Mitglieder genannt), die gemeinsam eine Imkerei über monatliche Beiträge finanzieren. Die Mitglieder erhalten neben allen Produkten, die der Betrieb abwirft, auch Nähe und Informationen zur Imkerei. Es wird die landwirtschaftliche Tätigkeit und Produktion, also das Imkern, finanziert und nicht, wie im Laden, ein Preis für ein Glas Honig bezahlt.

Rein formell besteht in unserem Modell die Imkerei aus einer GbR, die mit den einzelnen Personen Aboverträge schließt. Perspektivisch könnte sich ein Verein gründen, dem die Mitglieder dann auch formell beitreten können, um auch kollektiv besser – als Rechtssubjekt – agieren zu können.

Funktionsweise und Prinzipien der Solidarischen Imkerei (verändert und ergänzt nach: frohlawi.de)

Die Mitglieder

Mitglieder werden so von entfremdeten Konsument:innen zu Prosument:innen, die die Herkunft der Produkte kennen, Vertrauen in die Produzent:innen haben und ein Verständnis für die Lebensmittelproduktion und den Einfluss auf die natürliche Umwelt entwickeln. Außerdem können die Mitglieder Wünsche und Anregungen an die Imkerei herantragen – etwa in Bezug auf die Betriebsweise oder ob sie lieber mehr Honigmet und weniger Honig beziehen möchten. Dafür möchten wir einen regelmäßigen Raum für Austausch und gemeinsame Entscheidungen schaffen.

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Die Ernteeinheit

Die Mitgleider bekommen die Produkte der Imkerei in Form von Ernteheinheiten. Dabei werden alle anfallenden Produkte durch die Anzahl der Mitglieder zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Für unsere Berechnung haben wir ein Glas Honig (500g) pro Ernteeinheit pro Monat als Grundlage genommen, um herauszufinden, wie viele Ernteeinheiten wir versorgen können. So kann es sein, dass in guten Jahren mehr Honig anfällt und wir gemeinsam darüber entscheiden, wie wir damit umgehen möchten: wird mehr Honig verteilt, wird der Honig weiterverarbeitet oder wird er den Bienen zurückgegeben? Umgekehrt kann das in einem schlechten Jahr bedeuten, dass etwas weniger verteilt werden könnte.

Wem eine normale Ernteeinheit zu groß ist, der:die kann sich für eine halb so große entscheiden.

Die Finanzierungsrunde

Bei der sogenannten Biete- oder Finanzierungsrunde stellt der Betrieb einen Etatplan vor und macht dadurch transparent, wofür wieviel Geld verwendet werden soll. Daraus ergibt sich ein Richtwert/Durchschnittswert je Mitglied, der benötigt wird, um die Gesamtsumme zu erreichen. Dieser dient als grobe Orientierung. Die Mitglieder bieten dann – wie bei einer Auktion, nur nicht gegeneinander, sondern miteinander – alle zugleich und nicht öffentlich einen Betrag, den sie bereit sind zu geben. Ist das Zielbudget erreicht, endet die Bieterunde und die Mitglieder stimmen zu, den genannten Betrag zu bezahlen und gemeinsam den Betrieb zu finanzieren. Wird das Budget nicht erreicht, beginnt eine neue Runde des Bietens, in der alle nochmal schauen, ob sie nicht etwas mehr geben können.

In „abgespeckter“ Version kann die Finanzierungsrunde auch per Mail durchgeführt werden. Dabei senden die Mitglieder in einer Mail drei Beträge, die sie bereit sind zu geben. Jeder Wert stellt also eine Bieterunde dar. In der Auswertung werden die Runden nacheinander ausgezählt. Es wird dann die Runde herangezogen, mit der das Gesamtbudget erreicht wird.

Ablauf der Finanzierungsrunde.

Wie du mitmachen kannst, erfährst du unter Mitmachen.

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Der Betrieb

Für die Imkerei bedeutet die Zusage einer einjährigen Finanzierung Planungssicherheit und Resilienz gegenüber Schlechtwetterperioden und Ernteausfällen. Den Mitgliedern gegenüber verpflichtet sich der Betrieb zu Transparenz, Ehrlichkeit und zur Bereitschaft, auf die Bedürfnisse der Mitglieder einzugehen.

Wir möchten darüber hinaus regelmäßig über die Imkerei und anstehende Tätigkeiten berichten und Infotage anbieten, an denen Interessierte mit an die Bienenstöcke kommen können. So freuen wir uns auf gemeinsame Aktionen mit unseren Mitgliedern, beispielsweise bei der Honigernte.

Die gesicherte Finanzierung bedeutet für uns auch, dass wir nicht allein an ökonomische Leitsätze für unseren Betrieb gebunden sind. So können wir etwa ökologischere Varianten für den Umgang mit den Bienen wählen, beim Transport auf das Lastenrad setzen und den Bienen möglichst eigenen Honig zum Überwintern lassen.

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